Leichenflüssigkeit im Boden: Wann muss der Estrich raus?

Bodenarten, Eindringtiefe und Sanierungsoptionen

Von Marco Nürnberger | Aktualisiert am 04.02.2026

Leichenflüssigkeit dringt je nach Bodenbelag unterschiedlich tief ein. Fliesen lassen sich reinigen, Teppich und Laminat müssen immer entfernt werden. Beim Estrich hängt es von der Versiegelung und der Liegezeit ab. Entscheidend ist: Wie lange lag die Person, und wie ist der Boden beschaffen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Fliesen sind die einzige Oberfläche, die nach Kontamination zuverlässig gereinigt werden kann. Fugenmörtel muss geprüft werden.
  • Teppichboden muss bei Kontakt mit Leichenflüssigkeit immer entfernt werden. Fasern saugen die Flüssigkeit auf wie ein Schwamm.
  • Laminat und Vinylboden müssen ebenfalls raus. Die Flüssigkeit dringt durch Fugen und Klickverbindungen in die Trägerschicht.
  • Parkett ist abhängig von der Versiegelung. Lackiertes Parkett kann bei kurzer Liegezeit gerettet werden, geöltes Parkett saugt Flüssigkeit auf.
  • Estrich ist porös und nimmt Leichenflüssigkeit auf. Ab einer Liegezeit von etwa einer Woche ist die Entfernung oft unvermeidlich.
  • Die Kosten für eine Estrichsanierung liegen bei 800 bis 1.500 Euro pro Raum, zuzüglich Trocknungszeit von 4 bis 6 Wochen.
  • Kostenlose Begutachtung vor Ort — wir prüfen mit Feuchtigkeitsmessgeräten, ob der Estrich raus muss.

Wie tief dringt Leichenflüssigkeit in verschiedene Böden ein?

Leichenflüssigkeit besteht aus Wasser, Körperfetten, Enzymen und Zersetzungsprodukten. Sie ist dünnflüssig und breitet sich schnell aus. Wie tief sie eindringt, hängt vom Bodenbelag ab.

BodenartEindringtiefeSanierbar?
Fliesen (intakte Fugen)OberflächeJa, reinigbar
Fliesen (beschädigte Fugen)Bis zum EstrichFugen erneuern, Estrich prüfen
TeppichbodenSofort bis zum EstrichNein, muss raus
Laminat / VinylDurch Fugen zum EstrichNein, muss raus
Parkett (lackiert)Oberfläche, bei langer Einwirkung tieferBei kurzer Liegezeit möglich
Parkett (geölt)Tief ins HolzMeist nicht
Estrich (unversiegelt)Mehrere ZentimeterAb 1 Woche: Entfernung nötig
Estrich (versiegelt)Oberfläche bis VersiegelungVersiegelung erneuern

Entscheidend ist die Kombination aus Bodenart und Liegezeit. Ein Teppichboden ist nach wenigen Stunden durchdrungen. Estrich braucht länger, nimmt die Flüssigkeit dann aber tief auf.

Wann muss der Estrich entfernt werden?

Estrich ist ein poröses Material. Zementestrich hat eine offenporige Struktur, die Flüssigkeiten aufsaugt und speichert. Die Frage, ob der Estrich raus muss, hängt von zwei Faktoren ab: Versiegelung und Liegezeit.

Estrich kann bleiben, wenn:

  • Der Estrich vor dem Vorfall versiegelt oder grundiert war
  • Die Liegezeit unter einer Woche lag
  • Die Flüssigkeitsmenge gering war (kein großflächiger Austritt)
  • Nach der Reinigung kein Geruch mehr messbar ist (Prüfung per Folienmethode)

Estrich muss raus, wenn:

  • Der Estrich unversiegelt ist und die Liegezeit über eine Woche betrug
  • Die Flüssigkeit großflächig eingedrungen ist
  • Nach der Oberflächenreinigung Geruch bestehen bleibt
  • Ein Feuchtemessgerät erhöhte Werte im Estrich anzeigt

Folienmethode: Eine PE-Folie wird 24 Stunden auf den gereinigten Estrich gelegt. Bildet sich Feuchtigkeit oder ist Geruch wahrnehmbar, ist der Estrich kontaminiert und muss entfernt werden.

In unserer Erfahrung muss bei etwa 40 % der Einsätze mit längerer Liegezeit der Estrich teilweise oder vollständig entfernt werden.

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Alternativen zur vollständigen Estrichentfernung

Die vollständige Entfernung des Estrichs ist aufwändig und teuer. In bestimmten Fällen gibt es Alternativen:

Schleifen und Versiegeln

Wenn die Kontamination nur wenige Millimeter tief eingedrungen ist, kann der Estrich abgeschliffen werden. Die kontaminierte Schicht wird entfernt und die Oberfläche anschließend mit Epoxidharz versiegelt. Voraussetzung: Die Restdicke des Estrichs muss statisch ausreichend sein (mindestens 30 mm bei Zementestrich).

Sperrschicht auftragen

Bei geringer Kontamination kann eine Sperrgrundierung aufgetragen werden, die den Geruch einschließt. Diese Methode ist kostengünstiger, birgt aber das Risiko, dass der Geruch bei Beschädigung der Sperrschicht zurückkehrt. Wir empfehlen diese Methode nur bei leichter Kontamination.

Teilweise Entfernung

Wenn nur ein begrenzter Bereich kontaminiert ist, muss nicht der gesamte Estrich im Raum entfernt werden. Der betroffene Bereich wird herausgestemmt und neu gegossen. Der Übergang zum Altestrich muss sorgfältig abgedichtet werden.

Unsere Fachleute beurteilen vor Ort, welche Methode in Ihrem Fall sinnvoll ist

Kosten und Zeitaufwand der Estrichsanierung

Die Estrichsanierung ist der teuerste Teil einer Leichenfundortreinigung. Die Kosten setzen sich aus mehreren Positionen zusammen:

LeistungKosten pro Raum (ca. 15 m²)
Estrich stemmen und entsorgen400 – 700 €
Untergrund reinigen und desinfizieren100 – 200 €
Neuen Estrich gießen250 – 500 €
Trocknungszeit (4–6 Wochen)ggf. Bautrockner-Miete: 50 – 100 €
Gesamt800 – 1.500 €

Dazu kommen die Kosten für den neuen Bodenbelag (Fliesen, Laminat oder Parkett), die je nach Material bei 20 bis 80 Euro pro Quadratmeter liegen.

Trocknungszeit: Frischer Zementestrich benötigt mindestens 4 Wochen zum Trocknen, bevor ein Bodenbelag verlegt werden kann. Mit Bautrockner lässt sich die Zeit auf etwa 3 Wochen verkürzen. In dieser Zeit ist der Raum nicht nutzbar.

Die Alternative Schleifen und Versiegeln kostet etwa 200 bis 400 Euro pro Raum und ist in wenigen Tagen abgeschlossen.

Ausführliche Kostenübersicht für alle Leistungen

Häufige Fragen zu Leichenflüssigkeit im Boden

Wie erkenne ich, ob Leichenflüssigkeit in den Estrich eingedrungen ist?

Sichtbare Verfärbungen auf dem Estrich sind ein deutliches Zeichen. Zusätzlich kann ein Feuchtemessgerät erhöhte Werte anzeigen. Die Folienmethode liefert nach 24 Stunden ein zuverlässiges Ergebnis: Feuchtigkeit oder Geruch unter der Folie zeigen eine Kontamination an.

Kann man kontaminierten Estrich mit Ozon behandeln?

Ozon wirkt nur auf Oberflächen und in der Raumluft. Wenn Leichenflüssigkeit mehrere Zentimeter tief in den Estrich eingedrungen ist, erreicht Ozon die kontaminierten Schichten nicht. In diesen Fällen muss der Estrich entfernt werden.

Wer zahlt die Estrichsanierung nach einem Todesfall?

Die Kosten tragen grundsätzlich die Erben aus dem Nachlass des Verstorbenen. Einige Hausratversicherungen decken auch Folgeschäden ab. Bei einer Mietwohnung kann die Wohngebäudeversicherung des Vermieters für Gebäudeschäden aufkommen. Wir erstellen einen detaillierten Kostenvoranschlag für die Versicherung.

Wie lange dauert die gesamte Sanierung inklusive neuem Estrich?

Die reine Arbeit (Estrich entfernen, Untergrund reinigen, neuen Estrich gießen) dauert 2 bis 3 Tage. Danach folgt die Trocknungszeit von 4 bis 6 Wochen. Erst dann kann ein neuer Bodenbelag verlegt werden. Mit Bautrockner lässt sich die Wartezeit etwas verkürzen.

Muss unter Fliesen immer der Estrich geprüft werden?

Wenn die Fliesen und Fugen intakt sind, ist eine Kontamination des darunterliegenden Estrichs unwahrscheinlich. Bei beschädigten Fugen oder Rissen in den Fliesen kann Leichenflüssigkeit jedoch zum Estrich durchdringen. In diesen Fällen müssen die Fliesen entfernt und der Estrich geprüft werden.

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Quellen

  • Infektionsschutzgesetz (IfSG) — Desinfektion kontaminierter Bereiche
  • DIN 18560 — Estriche im Bauwesen: Arten, Anforderungen und Prüfung
  • Handwerkskammer — Richtlinien zur Estrichsanierung

Über den Autor

Marco Nürnberger

Inhaber, Leichenfundortreinigung AST Nürnberger

Marco Nürnberger ist Inhaber von Leichenfundortreinigung AST Nürnberger mit Sitz in Riedstadt-Crumstadt. Sein Unternehmen ist auf die professionelle Reinigung, Desinfektion und Sanierung nach Todesfällen in Wohnungen spezialisiert. Als Fachbetrieb setzt AST Nürnberger ausschließlich geprüfte Verfahren und VAH-gelistete Desinfektionsmittel ein.

0800 2588100beratung@leichenfundortreinigung.de

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Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine rechtliche Beratung. Leichenfundortreinigung AST Nürnberger bietet keine Rechtsberatung an. Bei rechtlichen Fragen wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt.